Inhaltsverzeichnis:

      Einwände gegen das Argument
      Gott hat den Geist nicht erschaffen
      Gott hat auch die Regeln nicht erschaffen
      Die Natur Gottes
      Ohne Logik …
      Erschuf Gott die Naturgesetze?
      Existiert Gott subjektiv?
      Gott als höherdimensionales Wesen
      Änderung der Definition

 

Einwände gegen das Argument

Der Haupteinwand gegen das Argument besteht darin, es zu ignorieren. Das ist das Standardverfahren: Es gibt keine Argumente gegen Gott, weil wir alle ignorieren werden! Was wir nicht sehen, existiert nicht!

Gerne wird gesagt, dass Gott »kein Ding dieser Welt ist«, man aus diesem Grund keine »weltlichen« Maßstäbe an ihn anlegen kann. Was eine höfliche Umschreibung ist für: Wenn es uns nicht in den Kram passt, werfen wir die Logik über Bord.

Es ist leicht zu verstehen: Wenn man als Universum die Gesamtheit aller Dinge bezeichnet, die existieren, ist Gott ein Teil des Universums. Alternative: Er existiert nicht. Wenn man zur »Welt« alles zählt, was existiert, bedeutet »gehört nicht zur Welt« dasselbe wie »existiert nicht«.

Man wird das beschriebene Problem nicht los, indem man willkürlich Gott zusätzliche Eigenschaften zuschreibt.

 

Gott hat den Geist nicht erschaffen

Anders, wenn man sagt, Gott sei »nicht materiell« oder immateriell. Das ist die einzige Methode, Gott zum Schöpfer der Materie zu machen, ansonsten hätte er sich selbst erschaffen. Das glaubt so gut wie niemand. Gott hat alles geschaffen – außer Geist. Geist kann er nicht erschaffen haben, sonst hätte er sich wiederum selbst geschaffen. Ob der menschliche Geist von Gott geschaffen wurde? Fraglich.

Zu den geistigen Dingen gehören alle Zahlen, ebenso die Gesetze der Logik. Wenn Gott die geschaffen hat, hat er den Geist, der logisch denkt, oder der zählen kann, ebenso erschaffen – sich selbst, oder einen Teil von sich selbst.

Da Zahlen, und damit Logik, zeitlos-ewig existieren, können sie ohnehin keinen Schöpfer gehabt haben. Da man daraus die Mathematik, die Basis der Naturgesetze, ableiten kann, folgt, dass Logik und Mathematik unabhängig von Gott existieren.

Gott konnte keine geistigen Regeln erschaffen, weil das voraussetzt, dass es geistige Regeln gab, nach denen er die geistigen Regeln hätte erschaffen können.

 

Gott hat auch die Regeln nicht erschaffen

Das wird absurder, wenn man sagt, »Gott hat alles  geschaffen außer sich selbst«. Hat er die Zahl »eins« erschaffen? Nein? Ggab es eine Zeit, in der nicht nur ein Gott existierte?

Zu behaupten, er habe die Logik erschaffen, führt in mehr Probleme. Wie sieht eine Welt aus, in der keine Logik herrscht? Das ist das pure, reine, absolute Chaos _1_. Was bedeutet, wenn ein solches Chaos herrscht, kann alles geschehen – auch Universen aus dem Nichts entstehen. Vor allem, ohne Logik, spielt es keine Rolle, was Gott will – es geschieht, was geschieht, ohne Grenzen. Sobald man dem Geschehen Grenzen zieht, bejaht man, dass es Gesetze und Regeln gegeben hat.

In einem vollkommenen Chaos gab es keine Regeln, nach denen Gott die Regeln erschaffen konnte.

Gottes Denken musste nach Regeln verlaufen, damit er in der Lage war, denken zu können. Woher kamen die Regeln? Er konnte sie sich nicht ausgedacht haben, weil das wiederum die Existenz von Regeln voraussetzt. Wir stoßen erneut auf einen Selbstwiderspruch.

Ein Allwissender kann keine Ideen erschaffen, da er sie seit ewiger Zeit gekannt haben muss. Kein geistiges Konzept kann von Gott stammen. Woher es kommt ist ein größeres Rätsel als die Existenz des Universums.

 

Die Natur Gottes

Die Dinge, die wir kennen, haben eine Natur, nach der sie sich verhalten. Die Summe aller Dinge, die existieren, nennen wir »Natur«. Nur was nicht existiert, gehört auch nicht dazu. Das gilt auch für Gott:

Wenn man Gott die Fähigkeit zuschreibt, ein Universum zu erschaffen, woher hat er diese? Er kann sie sich nicht selbst verliehen haben, sonst kann man fragen, woher er die Fähigkeit hat, sich solche Fähigkeiten zu verleihen? Das führt in einen unendlichen Regress. Man kann nur auf Gottes ominöse »Natur« verweisen. Etwas, was existiert, gehört zur Natur, deren Regeln festlegt, wie sich die Dinge verhalten können. Wenn Gott existiert, gibt es für ihn keine Ausnahme. Anders gesagt, die Natur, die Dingen wie Menschen, Computern, Materie etc. dazu veranlasst, sich zu »verhalten«, geht Gottes Existenz voraus.

Wenn man also sagt, Gott habe »alles« geschaffen, führt dies sofort zu einem Selbstwiderspruch. Ein Gott im Sinne dieser Definition kann unmöglich existieren!

Es kann kein Gott existieren, der die »Natur« erschaffen hat. Nach welchen Regeln konnte Gott die Regeln, nach denen er existiert, selbst erschaffen? Überhaupt nicht. Es gilt »das Primat der Natur«. Oder: Ein Gott, der keiner Natur unterliegt oder keine hat, existiert nicht.

Gott, wenn es ihn geben könnte, würde ebenso der »Logik (den Regeln) der natürlichen Dinge« unterliegen wie alles andere.

Was man zusätzlich behaupten könnte, wäre, dass Gott seine eigene Natur hat, seine eigenen Regeln, aber diejenigen festgelegt hat, unter denen wir leben. Jetzt hat man, statt eine Erklärung für die Existenz der Welt zu haben, kurzerhand die Anzahl der Welten verdoppelt. Jetzt fehlen einem die Erklärung für zwei verschiedene Welten!

 

Ohne Logik …

Ohne Logik ist alles möglich, man kann nicht behaupten »von Nichts kommt nichts«, weil man mit der Regel die Logik voraussetzt, die es nicht geben soll. Aus diesem Grund kann man nicht behaupten, die Entstehung der Welt setzt einen Gott voraus.

Ohne Logik verlässt man nicht nur den Diskurs der zivilen Welt, man verlässt die Sphäre des Denkmöglichen.

Und das, was sich nicht denken lässt, kann man nicht glauben _2_.

 

Erschuf Gott die Naturgesetze?

Oft wird die Definition »Gott ist der Schöpfer der Materie« erweitert: Gott soll die Naturgesetze erschaffen haben. »Erschaffung« ist ein Prozess, der Zeit voraussetzt, das gilt, wenn er die Gesetze der Natur, nach denen Zeit vergeht, geschaffen haben soll. Abgesehen davon: Nehmen wir ein fundamentales Prinzip der Natur, den Energieerhaltungssatz  (EE). Der besagt, dass in einem geschlossenen System die Summe aller Energien über einen längeren Zeitraum NULL beträgt. Wenn es einen Zeitpunkt gegeben haben soll (was Zeit voraussetzt), zu dem dies nicht galt, ist das identisch mit der Aussage, dass Energie und Materie jederzeit aus dem Nichts entstehen können. Was bedeutet, ein Universum kann auf natürlichem Wege entstehen – kein Gott nötig. Das ist das Gegenteil von dem, was man behaupten möchte. Die Regel »von Nichts kommt nichts« setzt man voraus, falls die Regel nicht galt, müssen zwangsläufig Universen entstehen.

Der EE kann kurzfristig verletzt werden, was eine der bizarren Eigenschaften der Quantenphysik ist. Das ist ebenfalls ein Basisprinzip der Natur, der Unschärferelation. Die Gesetze des Mikrokosmos sind zeitlos gültig und setzen weder Zeit noch Materie/Energie voraus. Was zeitlos existiert kann nicht erschaffen worden sein. Das ist das Argument, mit dem man behauptet, dass Gott selbst keinen Schöpfer braucht. Es gilt ebenso für die Naturgesetze, für Mathematik und Logik. Wenn Zeitloses einen Schöpfer braucht, benötigt Gott einen. Schon sind wir dabei, die Prinzipien zu bestreiten, die man braucht, um einen Gott zu etablieren.

 

Existiert Gott subjektiv?

Eine subjektive Vorstellung kann nicht das Individuum und die Umgebung, in der es existiert, erzeugen. Dann hätte die Vorstellung sich selbst erzeugt.

Es ist vielen nicht bewusst, deswegen erzähle ich es hier: Die Annahme, es gibt einen Schöpfergott, impliziert, dass die Welt eine bewusstseinsunabhängige Realität ist. Man kann mit inkompatiblen Ansichten nicht für Gott argumentieren, weil man die Basis verlassen hat, aufgrund der man diskutiert.

 

Gott als höherdimensionales Wesen

Kann Gott nicht in einer »höheren Dimension« existieren? Möglich, aber »höhere Dimensionen« setzen die mit der niedrigeren Ordnungszahl voraus. Damit es eine zweite Dimension geben kann, muss es eine erste geben. Damit es eine dritte geben kann, muss man die ersten beiden voraussetzen. Damit setzt man bei höheren Dimensionen die Raumzeit voraus, damit die Existenz der Materie.

Außerdem löst dies nicht das Kernproblem, dass Gott ohne Zeit keine Zeit hatte, um die Zeit zu erschaffen.

 

Änderung der Definition

Nun kann man versuchen, die Definition zu ändern. Wobei, aus der aufgeführten Äquivalenz ergibt sich, dass es sinnlos ist, »Gott erschuf die Energie« o. ä. zu definieren, weil dies dasselbe wie die ursprüngliche Definition aussagt.

Ohne die Schöpfung bewegt man sich in Richtung der Gottheiten des Heidentums! Dagegen habe ich nichts, dagegen werde ich auch nicht argumentieren. Es ergibt sich nämlich, dass wenn es Götter gibt, diese Teil der uns umgebenden Natur sind, ihr nicht vorausgehen, sie nicht geschaffen haben. Kurz, Götter sind immanent – oder selbstwidersprüchlich, d. h., sie existieren nicht.

Lesen Sie, warum ich diese Website verfasst haben: Warum gibt es diese Seiten?.

»Ich verstehe nicht, warum die Leute nicht begreifen, dass der Glaube an Gott keine Frage beantwortet. Du kannst nicht etwas niemals Bewiesenes nehmen und damit alles erklären, für das es bisher keine Erklärung gab. Das ist nicht hilfreich, sondern im Gegenteil, intellektuell schädlich.«
CW Brown


1. Ich sage bewusst »absolutes Chaos«. Im Chaos, das wir kennen (z. B. Wetter) herrschen die Naturgesetze. Zurück zu 1

2. Man kann glauben, dass es etwas gibt, was sich nicht denken lässt, nur kann man nichts darüber aussagen. Zurück zu 2


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