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Glauben und VertrauenGlauben, so wird ferner gesagt, besteht in einem festen Vertrauen in andere Personen. Mit Recht wird darauf hingewiesen, dass ich auch bei meinem Wissen anderen Menschen vertraue, etwa den Wissenschaftlern. Allerdings, bei der Wissenschaft handelt es sich um eine Gemeinschaft von Wissenden, denen ich vertraue, und die ihre Auffassung jederzeit beweisen können - vor allem auch untereinander - und die ihr Wissen meist verwerfen, wenn sie Beweise, Argumente oder gute Gründe haben, es für falsch zu befinden. Es handelt sich um eine Gemeinschaft, bei der Kritik groß geschrieben wird - man kritisiert sich untereinander, systematisch - und wo einer die Ergebnisse des anderen überprüft. Ich vertraue also in ein Wissensnetz, vor allem der Methode, mit der es erstellt wird. An die Wissenschaft muss man auch nicht glauben - obwohl viele Gläubige genau dies behaupten - sondern man könnte hingehen, und die Beweise, Argumente und Gründe genau nachprüfen, wenn man denn wollte. Aus Zeitmangel erspart man sich dies meist, aber immerhin, prinzipiell würde es gehen. Beim Glauben kann ich das nicht so ohne weiteres, weil meist an Dinge geglaubt wird, die sich jeder Nachprüfung entziehen. Das ist ein wichtiger Unterschied, der uns im weiteren noch beschäftigen wird.Die Gläubigen hingegen vertrauen auf andere Gläubige, nicht auf Wissende oder Wissenschaftler - was ihren Glauben angeht. Im Alltag vertrauen sie meist genauso der Wissenschaft wie ich auch, mal mehr, mal weniger. Wenn es aber zu einem Konflikt kommt, ihr Glauben also dem Wissen widerspricht, sind sie eher bereit, dem Wissen als dem Glauben zu widersprechen. Ich bin Atheist, für mich gilt das Umgekehrte: Wenn ich einen Widerspruch sehe zwischen Glauben und Wissen, so vertraue ich eher dem Wissen. Mir fehlt ganz einfach beim Glauben das Gefühl, dass er so sicher ist, wie die Gläubigen behaupten. Das kommt auch daher, dass sich die Gläubigen untereinander heftig uneins sind. Der eine hält es für gewiss, dass Jesus der Sohn Gottes war und nennt sich Christ, während der andere sich dessen gewiss ist, dass Jesus nur ein "normaler Mensch" war, und er nennt sich Muslim, Jude, Buddhist, Shintoist oder sonstwie. Auch Wissenschaftler können sich uneins sein, aber eher weniger bei den grundlegenden Dingen, gleichgültig, in welcher religiösen Kultur sie aufgewachsen sind und was sie sonst noch glauben - es gibt ja auch gläubige Wissenschaftler - aber kein Wissenschaftler würde irgendetwas mit religiösem Eifer glauben, sonst wäre er kein Wissenschaftler. Es gibt aber auch Laien, die der Wissenschaft so glauben wie ein Gläubiger der Gemeinschaft derer, die in etwa dasselbe glauben. Aber ich bin der Meinung, dass diese Laien etwas falsch machen - an die Wissenschaft sollte man nicht glauben wie ein Gläubiger, weil die Wissenschaftler dies auch nicht tun, jedenfalls nicht im Regelfall. Ist es nicht seltsam, dass die Gläubigen so fest an einander widersprechende Dinge glauben? Der eine hält Jesus für den Sohn Gottes und folglich Mohammed für einen Schwindler, während der andere glaubt, dass Jesus nicht der Sohn Gottes ist, sondern ein Prophet Gottes wie auch Mohammed. Wenn sich Wissenschaftler untereinander widersprechen, dann ziehen sie sofort den Schluss, dass wir es hier mit Ungewissheit zu tun haben, dass wir nicht von relativ sicherem Wissen ausgehen können, während die Gläubigen darauf beharren, dass sie sich immer noch ihres Glaubens gewiss sein können. Während bei Wissenschaftlern Widersprüche sofort einen Zweifel an der Richtigkeit des Wissens aufkommen lassen, ist dies bei Gläubigen nicht der Fall. Nicht, dass es nicht auch regelmäßig Glaubenszweifel bei Gläubigen gäbe, aber meist beruht das Vertrauen auf den Glauben auf der Abwesenheit von Zweifeln, Zweifel gelten als Untugend, während Glauben eine Tugend ist. Bei Wissenschaftlern ist das umgekehrt, Zweifel gelten als eine Tugend, die man pflegen muss, während Gewissheit eher auf Zweifel stößt und Glauben als eine Untugend gilt! Ich zweifle eher am Glauben als am Wissen, während dies bei Gläubigen umgekehrt ist, jedenfalls dann, wenn sich Glauben und Wissen widersprechen. Aber ich bin ja auch Atheist, bei mir stellt sich das Gefühl der Sicherheit nicht ein, wenn ich den Glauben an Gott betrachte, sondern ich habe meine (starken) Zweifel daran. Ich vertraue eher dem Wissen als einer festen Überzeugung. Das liegt daran, dass ich keinen Zusammenhang sehe zwischen der Festigkeit einer Überzeugung und dem Wahrheitsgehalt einer Überzeugung. Zu allen Zeiten waren die Menschen fest davon überzeugt, dass etwas Wahres falsch war und etwas Falsches wahr. So glaubten früher viele Menschen ganz sicher daran, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums stand und die Sonne und die Sterne um die Erde kreisten, während es doch so war, dass die Erde um die Sonne kreiste und diese wiederum um das Zentrum der Milchstraße. Dabei spielt auch keine Rolle, dass es die Mehrheit der Menschen war, die diesem Irrtum unterlagen. Es waren daher auch nicht Gläubige, die diesen Irrtum aufdeckten, sondern Wissenschaftler. Ohne die Wissenschaftler wären die Gläubigen immer noch felsenfest davon überzeugt, dass die Sonne um die Erde kreist. Wenn wir dies inzwischen besser wissen, dann ist dies kein Verdienst der Gläubigen, die einen Zweifel an ihrem Glauben ja meist versuchen zu vermeiden. Und warum sollte ich überhaupt, wie die Gläubigen auch, nicht die gefühlte Gewissheit haben können, dass kein Gott existiert oder kein Grund dafür, an ihn zu glauben? Warum sollte ich nicht darauf vertrauen können, dass es keinen Gott gibt, nach derselben Maßgabe, mit der Gläubige das Umgekehrte glauben? Wenn die Festigkeit der Überzeugung ein Maß dafür wäre, was wahr ist und was falsch, dann dürfte ich auch dieselbe Art der Gewissheit haben, dass kein Gott existiert. Zwar habe ich keine Gewissheit, dass es keinen Gott gibt, aber angenommen, dem wäre so? Warum sollte ich nicht meinen Gefühlen ebenso vertrauen wie der Gläubige auch? Wenn es richtig ist, dass etwas deswegen wahr ist, weil ich fühle, dass es gewiss richtig ist, dann gilt es auch für den Glauben, dass es keine Götter gibt. Kann das Gefühl, etwas sei wahr, überhaupt ein guter Grund sein, etwas für wahr zu halten? Wer sagt, dem sei so, dem kann ich einfach entgegnen, dass ich eben keinen Gott spüre und dass mir mein Gefühl sagt, dass es da auch keinen Gott gibt. Damit wären wir dann am Ende der Debatte angekommen - warum sollte ich Beweise, Argumente oder Gründe dafür vorlegen, dass ich nicht an Gott glaube, wenn der Gläubige nicht bereit ist, dies für seine Auffassung auch zu tun? Warum sollte ich meinen Unglauben gegen Zweifel verteidigen, wenn der Gläubige nicht bereit ist, seinen Glauben gegen Zweifel zu verteidigen? Warum mal so und mal anders? Müsste man nicht wenigstens Gründe angeben können, warum ich nicht tief in meinem Inneren fühle kann, dass es keinen Gott gibt oder zumindest keinen Grund, an Gott zu glauben? Nur, weil es alle anderen tun, ist kein Grund - abgesehen davon, dass dies auch nicht stimmt, ungefähr 20% aller Menschen sind Atheisten, vermutlich sind es sogar noch mehr. ⇐ Glauben und Wissen Zurück zum Inhaltsverzeichnis Glauben und Nichtglauben: gleichwertig? ⇒ |
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