Hauptmenü


Übersicht





Atheistische Literatur
Über mich + Impressum


Druckversion der Website
⇐ Glauben und Nichtglauben: gleichwertig?   Zurück zum Inhaltsverzeichnis   Was ist mit der Gotteserfahrung? ⇒

Gibt es Gründe für den Glauben?

Nun sind zwar viele Gläubige davon überzeugt, dass es keine Gründe geben kann, an Gott oder nicht an Gott zu glauben, aber eben nicht alle. Leider gibt es Gläubige, die beide Taktiken verfolgen - zuerst wollen sie mir einreden, dass ich nur dann nicht an Gott glauben darf, wenn ich seine Nichtexistenz beweisen kann, obwohl ich ja überhaupt nicht behaupte, dass es keinen Gott gibt, dann reden sie davon, dass es keine Beweise gegen Gott geben kann, ich aber beweisen müsse, dass es keinen Gott gibt, um meinen Nichtglauben zu rechtfertigen, obwohl ich immer noch nicht behaupte, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass ich nicht an ihn glaube! Das ruft ein tiefes Misstrauen in mir hervor, ich habe nun das Gefühl, dass mit dem ganzen Konzept des Glaubens etwas nicht stimmen kann. Und es ist dieses tiefe Unbehagen, auf dem mein Unglauben beruht - zunächst. Später werden wir sehen, dass dieses Unbehagen gerechtfertigt ist, aber im Moment reicht es, dass ich es habe, und wenn der Gläubige fühlt, dass er recht hat, so fühle ich, dass er Unrecht haben muss, dass es bei seinem Glauben "nicht mit rechten Dingen" zugeht. Und mir reicht dies als Grund für meinen Unglauben aus.

Aber dann gibt es Gläubige, die behaupten, sie hätten gute Gründe, um an Gott zu glauben. Das hört sich schon wesentlich besser an. Allerdings gibt es bei vielen - meiner Meinung nach - dieser Gründe ein paar "Webfehler". Der erste Fehler ist es, wenn man behauptet, dass es zwar Gründe gibt, an Gott zu glauben (wenn diese so gut sind, wie er behauptet, warum redet er dann nicht von Wissen???), aber dass es keine Gründe geben kann, nicht an Gott zu glauben. Oder anders gesagt, man kann zwar in gewisser Hinsicht beweisen, dass es Gott gibt (wenn es Gott gibt, so wäre dies ein sehr guter Grund, an ihn zu glauben - aber dann würde man andererseits auch nicht von Glauben reden), aber es sei gänzlich unmöglich, zu beweisen, dass es Gott nicht gibt.

Ich kenne allerdings sonst nichts, von dem man beweisen könnte, dass es existiert, aber nicht nach den gleichen Maßstäben prinzipiell beweisen könnte, dass es nicht existiert! Zunächst muss man sagen, dass man Beweise für die Existenz für etwas nur dann braucht, wenn es nicht offensichtlich ist. Kaum jemand glaubt, dass es die Sonne oder die Erde nicht gibt, und wenn doch, dann führt dies auf ziemlich abgehobene philosophische Ebenen, und dann, wenn man dem Bestreiter der Existenz der Sonne glaubt und seinen Argumenten folgt, dann ist überhaupt nichts sicher und nichts gewiss, außer vielleicht meiner eigenen Existenz. Dann muss natürlich auch die Existenz Gottes, den ich nicht so offensichtlich wahrnehmen kann wie die Sonne, für noch weitaus unsicherer halten als die Existenz der Sonne!

Die Gläubigen behaupten aber zumeist, dass sie deswegen keinen Beweis für die Existenz Gottes brauchen, weil sie sich sehr sicher sind. Ich wundere mich zwar über ihre Sicherheit, weil ich die nicht teilen kann - ich behaupte ja nicht, dass ich mir sicher bin, dass es keinen Gott gibt, sondern vielmehr, dass ich mir sicher bin, dass ich nicht an Gott glaube. Aber wenn man diese Sicherheit haben kann, dass es also sicher ist, dass Gott existiert, obwohl es keine Beweise dafür gibt, warum kann sich dann ein Atheist nicht sicher sein, dass es keinen Gott gibt, auch wenn er keine Beweise dafür hat?

Das ist für die Gläubigen ein Dilemma: Geben sie zu, dass sie keine Beweise brauchen, weil sie sich sicher sind, dass Gott existiert, dann können sie schwerlich bestreiten, dass ein Atheist sagt, dass er keinen Beweis für die Nichtexistenz Gottes braucht. Geben sie zu, dass man Beweise für Gott braucht, um an ihn glauben zu können, dann geben sie zu, dass ihr Glauben nicht so sicher sein kann, wie sie behaupten.

Um diesen Dilemma zu entkommen, sagen viele Gläubige, dass sie selbst zwar keine Beweise brauchen, um sich sicher zu sein, aber dass sie diese Beweise bräuchten, um einen Ungläubigen wie mich von der Existenz Gottes zu überzeugen. Wenn sie allerdings gleichzeitig noch glauben, dass man die Existenz Gottes weder beweisen noch widerlegen kann, dann stimmt da etwas nicht, denn dann wären ja auch ihre Beweise - wie sie selbst zugeben - nicht stichhaltig, warum sollte ich dann ihren Beweisen glauben schenken? Wenn also ein Gläubiger behauptet, dass man Gott nicht beweisen kann - dann würde man ja von Wissen und nicht von Glauben reden - dann bedeutet dies doch wohl, dass ich jeden Beweis, den er mir vorlegt, ohne genaueres Hinsehen verwerfen kann. Warum sollte ich ihm glauben, dass man Gott nicht beweisen kann, ihm aber seine Beweise - gleich welcher Art - abnehmen? Ich müsste ihm gleichzeitig glauben, dass man Gott beweisen kann und ich müsste ihm glauben, dass man Gott nicht beweisen kann! Und das kann ich einfach nicht. Es ist mir unmöglich, etwas zu glauben, was sich so fundamental widerspricht. Und irgendwie erhöht dies mein Misstrauen gegen das Konzept des Glaubens noch weiter ... Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich "über den Tisch gezogen" werden soll  [1], wenn ich für den Glauben akzeptieren müsste, dass es keine Beweise dafür gibt und keine dagegen, dass es aber Beweise für Gott gibt. Und statt Beweisen könnte man auch "Argumente" oder "gute Gründe" einsetzen, ohne dass dies etws ändert.

Und wenn man nun denjenigen Gläubigen folgt, die sagen, es gibt Beweise für Gott, ja, man kann ihn auch beweisen, warum reden die dann von Glauben und nicht von Wissen? Wenn ihre Beweise gut sind und sie selbst völlig überzeugen würden, dann würden sie sagen "Ich weiß, dass Gott existiert". Aber das tun sie nicht - und daher können ihre Beweise oder Argumente oder Gründe auch nicht gut sein, sie sind nicht einmal selbst davon völlig überzeugt - und wieso sollte ich ihnen etwas glauben, von dem sie offensichtlich nicht selbst überzeugt sind? Wenn ich Gründe für etwas anführe, von denen ich nicht überzeugt bin, dann sage ich das auch ehrlich und erwarte nicht, dass der andere sie auch überzeugend findet - das wäre unredlich. Aber der Gläubige erwartet von mir, dass ich Gründe, die er selbst nicht überzeugend finden kann, akzeptiere - und da regt sich wieder mein Misstrauen, dass mit dem Glauben etwas nicht stimmen kann. Dazu muss ich mir die Beweise für Gott nicht einmal angesehen haben, der Verdacht regt sich, dass der Gläubige aus ganz anderen Gründen glaubt, als er mir erzählt. Warum sagt er mir dann nichts über die "wahren Gründe"? Entweder, er könnte es, tut es aber nicht - aber dafür sehe ich keinen Grund, außer dem, das er versucht "mich übers Ohr zu hauen", aber davon gehe ich nicht aus, ich glaube dem Gläubigen, dass er ehrlich überzeugt ist, dass es Gott gibt - oder er weiß selbst nicht, warum er eigentlich glaubt. Und das finde ich höchst interessant!

Ich muss also zu dem Schluss kommen, dass der Gläubige nicht weiß, warum er glaubt, und in seiner Hilflosigkeit versucht, mir Gründe für den Glauben zu liefern, von denen er nicht überzeugt ist. Er ist sich also sicher, dass Gott existiert, aber sein Verhalten zeigt genau das Gegenteil! Könnte es sein, dass der Gläubige nur seine Zweifel verdrängt, beiseite schiebt, sie ignoriert? Welchen anderen Schluss gäbe es noch dafür? Beruht dann der ganze Glauben nicht nur darauf, seine Zweifel beiseite zu schieben? Aber ich will nicht (noch nicht) über die inneren Befindlichkeiten des Gläubigen spekulieren. Im Moment muss ich es einfach akzeptieren, dass sein Verhalten höchst widersprüchlich ist, dass mir diese Kopfzerbrechen bereiten, mein Unbehagen am Glauben erhöhen - und dass ich deswegen nicht glauben kann.

Wenn mir nun ein Gläubiger vorwirft, dass ich nicht glauben wolle, dann muss ich zugeben, ja, das stimmt, aber ich will es nicht, weil ich es nicht kann! Ich kann daher beim besten Willen nicht an Gott glauben. Und deswegen bin ich Atheist.



Verwandte Themen

Siehe Links!

Weiterführende Links zum Thema

Warum ich Atheist bin Ebenfalls eine Begründung von mir - Sie dachten doch nicht etwa, dass dies schon alles sei?

Wer ist eigentlich Gott? Anmerkungen zu den Eigenschaften Gottes.

Das Theodizeeproblem Wohl das bekannteste Argument gegen Gott.

Das Argument des Unglaubens Ein Argument für die Nichtexistenz Gottes.

Interessante Literatur zum Thema

Angeles, Peter Adam: 1981, The Problem of God: A Short Introduction, Prometheus Books, New York. Philosophische Einführung in die Gottesbeweise samt ihrer gründlichen Widerlegung.

Barker, Dan: 1992b, Losing Faith In Faith. From Preacher To Atheist., Freedom From Religion Foundation, Inc., Madison. Das Buch eines Mannes, der 19 Jahre lang fundamentalistischer Priester war und der Atheist wurde. Humorvoll zu lesen, aber eben auch sachlich-fundiert.

Boyer, Pascal: 2004, Und Mensch schuf Gott, Klett-Cotta , Stuttgart. Eine anthropologische, neurobiologische und linguistische Theorie, warum der Mensch Gott erfinden musste, eine Theorie sämtlicher existierender Religionen - gründlich fundiert und experimentell abgesichert. Ein Muss, wenn man wissen will, wieso die Religionen entstanden sind.

Gale, Richard M.: 1993, On the Nature and Existence of God, Cambridge University Press, Cambridge. Sehr in die Tiefe gehendes Werk über die Natur Gottes.

Küng, Hans: 2001, Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit, Piper, München. Auseinandersetzung mit der Frage nach der Existenz Gottes aus theologischer Sicht, fundiert, aber langatmig und wenig befriedigend

Mackie, John L.: 1985, Das Wunder des Theismus, Reclam, Ditzingen. Eine der besten deutschsprachigen Einführungen in den Atheismus.

Martin, Michael: 1990, Atheism: A Philosophical Justification, Temple University Press, Philadelphia. Das grundlegende Werk zur Einführung in den Atheismus, sehr anspruchsvoll.

Martin, Michael (Hrsg.) und Monnier, Ricki (Hrsg.): 2002, The Impossibility of God, Prometheus Books, New York. Ein Buch mit sog. atheologischen Argumenten, die beweisen, dass es keinen Gott geben kann.

Musgrave, Alan: 1993, Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus. Eine historische Einführung in die Erkenntnistheorie., UTB, Stuttgart. Gelungene und gut zu lesende Einführung in die Philosophie mit dem Schwerpunkt auf Erkenntnistheorie.

Poidevin, Robin Le: 1996, Arguing for Atheism: An Introduction to the Philosophy of Religion, Routledge, New York. Argumentativ gute bis sehr gute Einführung in die Gründe, nicht an Gott zu glauben.

Smith, George H.: 1979, Atheism : The Case Against God, Prometheus Books, New York. Gründliche und systematische Einführung in den Atheismus.



Anmerkungen:
  1.  Wiederum muss man anmerken, dass sich die Gläubigen dessen nicht bewusst sind, es handelt sich also keines falls um einen Betrug - sie sind ja selbst davon überzeugt, dass das so richtig ist. Allenfalls sind sie irgendwann einmal betrogen worden und halten dann daran fest - aber auch derjenige, der es ihnen erzählt hat, hat dies vermutlich nicht bewusst gemacht, und so wird die Überzeugung von einer Generation an die nächste weitergegeben. (Zurück)
⇐ Glauben und Nichtglauben: gleichwertig?   Zurück zum Inhaltsverzeichnis   Was ist mit der Gotteserfahrung? ⇒
www.atheismus-online.de & www.dittmar-online.net